Im Interview verrät Reiner Calmund, was eine echte Miss Germany ausmacht, wie er bei der Wahl im Europa Park am 23. Februar die richtige Entscheidung fällen wird, und warum Fußball und Schönheitswettbewerbe thematisch gar nicht so weit voneinander entfernt sind.

Herr Calmund, Sie nehmen in diesem Jahr nicht zum ersten Mal auf dem Jury-Stuhl bei der Miss-Germany-Wahl Platz. Was nehmen Sie aus den Vorgängerjahren an Erfahrung mit in die Wahl 2013?

Reiner Calmund: Es gewinnt nicht immer die Schönste, es gewinnt das Gesamtpaket. Ich gucke mir vor der Wahl die Mädels an und lasse mich dann überraschen. Bisher habe ich nicht so falsch gelegen.

Wie haben sich die Mädchen im Laufe der Jahre entwickelt?

Calmund: So lange mache ich das ja auch noch nicht, dass ich schon von unterschiedlichen Generationen sprechen könnte. Was mir auffällt, ist der vorwiegend hohe Bildungsgrad der jungen Damen und die Tatsache, dass die Namen nicht immer urdeutsch klingen. Das spricht für eine gelungene Integration. Und das freut mich.

Alles eine Frage der Natürlichkeit

Ausdauer und Stressbewältigung: Das sind Eigenschaften, die die Miss-Kandidatinnen haben müssen. Was können die Mädchen tun, um sie zu erlangen?

Calmund: Natürlichkeit schlägt alles. Authentisch bleiben, nicht gekünstelt und überkandidelt auftreten. Hübsch sind sie sowieso alle. Aber gewinnen wird die, deren Augen lächeln. Ich schaue mir immer die letzten Proben vor der Miss-Wahl an, da kann ich die Mädels in normalen Klamotten und bevor sie in die Lackier-Anstalt gehen besser kennenlernen. Kurze persönliche Gespräche hinter den Kulissen runden das Bild ab.

Welchen Anspruch haben Sie an die Miss-Germany-Kandidatinnen?

Calmund: Na ja, sie repräsentieren Deutschland. Und da ist es schon wichtig, dass sie was im Kopf haben und mit Ausstrahlung überzeugen. Eine gute Schul- oder Berufsausbildung kann nicht schaden und die hübschen Damen sollten auch über ihr Deutschland, das Land, das sie vertreten, einiges wissen. Es muss auch hinter dem Pony stimmen und Charisma muss erkennbar sein. Für mich ist nicht allein entscheidend, wie man im Bikini oder im Abendkleid mit tiefem Dekolletee aussieht.

Genussmensch oder Hungerhaken?

Genuss spielt in Ihrem Leben eine nicht ganz unwichtige Rolle – nicht zuletzt wegen Ihrer Jury-Tätigkeit in der Kochshow "Die Kocharena". Müsste eine Frau ganz nach Ihrem Geschmack auch Genussmensch sein?

Calmund: Ich denke, wer nicht die Fähigkeit hat zu genießen, der wird entweder verknöchert oder süchtig. Beides ist nicht gut. Jeder Mensch sollte genießen können.

Wenn Sie eine Brücke zwischen Miss-Wahlen und Fußball schlagen müssten – wie würde diese aussehen?

Calmund: Es gewinnt nicht die Mannschaft mit den besten elf Einzelspielern, es gewinnt die Mannschaft, deren Spieler sich am besten verstehen. Übertragen heißt das: Du kannst noch so schön, so intelligent, so attraktiv und freundlich sein – wenn du das nicht zusammenbringst, dann nutzt es dir nichts. Wie gesagt: Das Paket muss stimmen, nicht nur der Mund darf lächeln, die Augen sind wichtig!

Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?

Calmund: Authentizität. Wo Calli draufsteht, ist auch Calli drin. Man muss den Menschen zuverlässig und berechenbar begegnen, mit Stärken und Schwächen. Kompetenz, Leidenschaft, Begeisterung, Mut und Siegeswillen sind die Voraussetzungen für den Erfolg.

Gibt es irgendeinen Titel, eine Auszeichnung oder etwas anderes, dem Sie bis heute nachtrauern, weil Sie es leider nicht Ihr Eigen nennen können?

Calmund: Na klar! Einen? Was glauben Sie, warum Leverkusen auch "Vizekusen" heißt? Nie Deutscher Meister geworden zu sein, das schmerzt. Da mache ich keinen Hehl daraus.

Reiner Calmund ist einer der erfolgreichsten deutschen Fußball-Funktionäre, der seit einigen Jahren nicht nur in der Miss-Germany-Jury sitzt, sondern auch im TV sein Urteil abgibt, etwa in der Vox-Sendung "Die Kocharena". Seit 2008 engagiert er sich zudem für gesunde Ernährung und Bewegung, was ihm für seine Aktion "Iron Calli" sogar den Health Media Award der Deutschen Sporthochschule Köln einbrachte.