(mom/cze) - "Döner-Morde" ist das Unwort des Jahres 2011. Das gab die Jury des Preises an der Universität Darmstadt bekannt.

In der Begründung heißt es, der Begriff stehe "prototypisch dafür, dass die politische Dimension der Mordserie jahrelang verkannt oder willentlich ignoriert wurde". Dadurch sei von dem tatsächlichen Hintergrund abgelenkt und der Verdacht auf Schutzgeld- oder Drogengeschäfte verschoben worden.

Weiter heißt es: "Mit der sachlich unangemessenen, folkloristisch-stereotypen Etikettierung einer rechtsterroristischen Mordserie werden ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt und die Opfer selbst in höchstem Maße diskriminiert, indem sie aufgrund ihrer Herkunft auf ein Imbissgericht reduziert werden."

Hinter den "Döner-Morden" kamen die Begriffe "Gutmensch" und "marktkonforme Demokratie" auf die weiteren Plätze der Abstimmung.

Bei "Gutmensch" kritisiert die Jury, dass "insbesondere in Internet-Foren das ethische Ideal des 'guten Menschen' in hämischer Weise aufgegriffen" werde, um "Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren". Zwar merkt die Jury an, dass der Begriff bereits seit 20 Jahren in dieser Weise benutzt werde, im Jahr 2011 sei er aber verstärkt als "Kampfbegriff" verwendet worden.

Die "marktkonforme Demokratie" geht zurück auf ein Zitat von Bundeskanzlerin Angela Merkel und stehe "für eine höchst unzulässige Relativierung des Prinzips, demzufolge Demokratie eine absolute Norm ist, die mit dem Anspruch von Konformität mit welcher Instanz auch immer unvereinbar ist".

Insgesamt wurden bei der Jury 923 verschiedene Wörter eingereicht, nach den "Döner-Morden" wurden die Begriffe "Stresstest", "Rettungsschirm" und "Tagesrandzeit" am häufigsten vorgeschlagen.